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Leserbrief zum Bericht vom 26.2.2010,
Leben in Gemeinschaftnen,
Kim-Björn Becker
Veranstaltung im Rahmen der Aktionswoche Wohnen,
24.2.2010, Dr. H. Mollberg, Warsberger HOF, 18.00 Uhr
Neue Wohnformen – Projektentwicklung in Trier
Es scheint wichtig, auf eine Präzisierung der Begriffe zum Gemeinschaftlichen Wohnen hinzuweisen. Im Bericht des TV wurde von Wohngemeinschaften gesprochen, vom Raustragen des Mülls und Kochquerelen, die angeblich obenan stünden beim Organisieren des Lebens. Früher kannte man Gemeinschaftliches Wohnen nur in dieser Form als Zusammenleben in einer Wohnung (oft zu Studienzeiten), bei dem sich mehrere Bewohner eine Wohnung teilen – entsprechend auch Küche, Bäder. Darum geht es aber nicht.
Beim gemeinschaftlichen Wohnen, wie es heute verstanden wird, hat jede Partei eine eigene Wohnung, es gibt zusätzliche Gemeinschaftsräume, häufig auch mit Küche. Mit dem Organisieren des Mülls und dem Kochen sind die Bewohner nicht beschäftigt, sondern mit dem Plus an Lebensmöglichkeiten, die sich dort durch Synergieeffekte dabei fast von allein ergeben. Es wird bewußter gelebt, als in Wohnangeboten, wo sich die Gemeinschaft eher zufällig ergeben hat.
Die beim Vortrag am 24.2. anwesenden Gruppen – unseres Wissens auch nicht „praktizierende Wohngemeinschaftler“, wie im Beitrag bezeichnet, sondern Mitbürger, die sich für ein selb bestimmtes, aktives und zukunftssicheres Wohnen einsetzen – streben diese zweite Form in ihren Projekten an: Beim gemeinschaftlichen Wohnen geht es um die langfristige Sicherung möglichst selbst geplanten und durch Mitbestimmung verwalteten Wohnraums, um selbstgewählte Nachbarschaft mit der Sicherstellung von verlässlicher Alltagskommunikation. Für die Gruppe zak geht es letzlich darum, die Voraussetzungen für ein aktives Altern zu schaffen. Diese Ziele zu erreichen, erfordert Engagement in vielen Bereichen, darunter auch die Entscheidung für eine rechtlich verbindliche Grundlage des Zusammenlebens, worum es in dem Beitrag des Hauptreferenten maßgeblich ging.
Jürgen Beling, Ralingen
Zu dem TV-Bericht von Herrn Kim-Björn Becker „Leben in der Gemeinschaft."
vom
27. 2. 2010 möchten wir noch einige ergänzende und korrigierende Anmerkungen
machen.
Wir sind zwei derzeitig noch nicht in einer (selbstgewählten) Gemeinschaft lebende
Frauen, die aber
keine übliche Wohngemeinschaft suchen - deshalb auch keine „praktizierenden
Wohngemeinschaftler“ (Ausdruck aus dem Artikel übernommen) sind - sondern
ein
Gemeinschaftliches Wohnprojekt (mit vollständigen Einzelwohnungen und
Gemeinschaftseinrichtungen) voranbringen wollen.
Die wachsende Zahl älterer Menschen in Deutschland, die selbstbestimmt das dritte
Drittel
ihres Lebens in einer Gemeinschaft gestalten und führen, nicht einsam und allein,
auch
nicht automatisch abgeschoben in einem Alters-Pflegeheim verbringen wollen,
nimmt ständig
zu.
Dieser Personenkreis sucht nach alternativen Lebensformen wie z. B. die in Trier
existierende Gruppe „zak „ zusammen - aktiv - kreativ, generationenübergreifendes
Wohnen", zu denen die Verfasser dieser Replik zählen Ein selbstbestimmtes
Leben bedeutet
in dieser Lebensphase, dass wir trotz möglicher Handicaps, aber mit gegenseitiger
Unterstützung einen Platz im Alten- oder Pflegeheim, solange es geht, hinausschieben
wollen. Für die Stadt Trier können derartige Initiativen des Mit- und Füreinanders
ihrer
älteren Bürger und Bürgerinnen bedeuten , dass diese den städtischen Sozialetat
schonen.
In Städten wie Tübingen oder Freiburg gibt es seit Jahren entsprechende Projekte;
die
Stadt Hamburg weist 20 % der stadteigenen Flächen für derartige Wohnprojekte
aus.
Mit diesen Beispielen im Hinterkopf hatte unsere Projektgruppe begonnen, sich
der
Öffentlichkeit vorzustellen und bereits seit Frühjahr 2009 mehrfach bei der
Stadt
angefragt, ob sie Grundstücke oder Gebäude bereithält, die sich für ein derartiges
Vorhaben eignen. Ein Konzeptentwurf liegt mehreren Stellen vor.
Es kann also nicht die Rede sein von „die Gruppe müsste sich selbst organisieren“
oder
gar „wenn sie (die Interessenten) sich nur meldeten“.
Wie an den oben genannten Beispielen gezeigt, ergreifen andere Kommunen die
Möglichkeit,
solche Mehrgenerationenprojekte zu begleiten, zu fördern, um u.a. auh ihre künftigen
Sozialausgaben besser einkalkulieren zu können - was andererseits ihren Bewohnern
und
Bewohnerinnen ein selbständiges und selbstbestimmendes Leben für weitere Jahre
gewährt.
I. Erdmann, L. Ministeric